Der Laden in der Hinterstraße schließt nachts.
Die Kasse bleibt leer, aber niemand fragt. Ein
Mann mit einem Briefumschlag aus dem Jahr 1945
tritt ein, setzt sich an den Tresen. Die Frau
hinterm Tisch reicht ihm einen Kaffee. Er zahlt
nicht. Sie nickt. Kein Wort. Der Raum ist so
still, dass das Rattern der Heizung wie ein
Herzschlag klingt.
In der Nachkriegszeit sind alle Rechnungen
vergangen. Doch die Gesellschaft hat sie nicht
vergessen. Die Mutter, die seit Jahren alle
Schulden der Familie trägt, wird eines Tages von
einem alten Freund gezwungen, die Bücher
aufzumachen. Sie weigert sich. Er zwingt sie,
eine Summe zu bezahlen, die nie existiert hat.
Sie starrt ihn an. Er sieht ihre Augen. Sie
sieht seine. Beide wissen, was geschehen wird.
Die Stadt wird zur Arena. Die Kriminalpolizei
schlägt zu, doch die Mutter flieht. Sie rennt
durch die Straßen, wo die
WirtschaftswunderNeonlichter glühen. Die
Menschen schauen weg. Niemand will wissen, was
passiert. Sie wird verfolgt, doch sie bleibt
stehen. In einer dunklen Gasse hält sie inne.
Ein Junge fragt: "Warum tust du das?" Sie
antwortet nicht. Sie hat keine Stimme mehr.
Ein Polizist tritt vor. Er hält eine Akte in der
Hand. Die Mutter erkennt den Namen darin. Sie
kennt ihn seit Jahren. Er sagt nichts. Sie sagt
nichts. Der Junge geht. Der Polizist legt die
Akte auf den Boden. Sie blickt darauf. Es ist
ihr eigener Name. Sie sieht es, doch sie kann
nicht mehr fliehen. Die Stadt schließt um sie
herum. Die Lichter erlöschen. Die Kälte steigt.
Sie sitzt auf dem Boden, die Hände auf dem Schoß.
Die Welt dreht sich langsam. Sie atmet nicht
mehr. Der Junge kehrt zurück. Er gibt ihr etwas.
Ein Stück Papier. Sie liest es. Es ist die
letzte Rechnung. Sie schließt die Augen. Die
Stille ist vollständig.


