Die Karte des Reichs wird neu gezeichnet. Ein
Vertrag zwischen den Städten erzwingt eine neue
Ordnung: die Rückkehr der alten Götter als
Wächter. Die Menschen schauen nach oben, doch
niemand weiß, wer wirklich regiert.
Der letzte Schutzmann bleibt im Schatten. Er
trägt einen Mantel aus zerfetztem Leder, hat
keine Familie, kein Zuhause. Sein Amt ist
veraltet, aber sein Schwert noch nicht.
Ein Brief kommt per Flugdrache. Er trägt keinen
Absender, nur ein Siegel aus rotem Wachs. Darin
steht: „Die Götter schlafen nicht. Sie warten.“
Er folgt dem Hinweis zu einem Tempel, der seit
Jahrhunderten unter der Stadt liegt. Die Tür ist
mit Eisen verschlossen, doch er hat einen
Schlüssel – eine Kette aus Gold und Blut, die
ihm einst von einem Toten gegeben wurde.
Im Keller stößt er auf einen Raum, in dem die
Luft schwerer ist. Hier ruhen die Götter, aber
nicht friedlich. Ihre Stimmen sind wie Wind
durch leere Knochen. Sie sprechen von einem
Verräter, der den Vertrag gebrochen hat.
Er sieht das Gesicht des Verräters: ein junger
Mann, der in der Nacht des Umsturzes
verschwunden ist. Der selbe, der ihn einst vor
einem Mord rettete.
Ein Schuss zerschmettert die Stille. Der
Verräter springt aus dem Dunkel, ein Messer in
der Hand. Doch er schreit nicht. Er flüstert nur:
„Du hast mir das Leben gerettet. Jetzt rettest
du mich.“
Der Schutzmann zieht sein Schwert. Die Götter
schreien, als die Klinge den Körper des
Verräters durchbohrt. Doch dann passiert etwas,
das niemand erwartet: die Götter erstarren, ihre
Stimmen verstummen.
Der Tempel bricht zusammen. Die Stadt erwacht,
doch nicht zu ihrem Nutzen. Die Götter sind tot,
aber ihr Geist bleibt. Sie suchen nach einem
neuen Wächter.
Der Schutzmann steht allein in den Trümmern.
Sein Schwert ist leer, sein Mantel zerrissen.
Doch die Stadt schaut zu ihm auf, als ob er der
Letzte sei, der noch weiß, was es bedeutet, zu
beschützen.


