Der Beamte schließt die Akte mit dem Etikett
Verbotene Liebe und legt sie zurück in den
Schrank. Die Karte mit dem Namen Hermann Lübeck
ist verbrannt, aber die Spuren im Papier sind
noch sichtbar. Er hat das Dokument aus dem Büro
des Ministers gestohlen, während die Stadt unter
der Hyperinflation zersplittert.
Die Nacht zuvor hat er einen Mann am Bahnhof
gesehen, der ein Signal in den Abendhimmel
schoss. Ein Zeichen für jene, die den Staat
überwachen. Der Beamte hat es nicht verstanden,
aber er hat es gesehen.
Er wird beobachtet. Eine Frau mit roten Haaren
folgt ihm durch die Straßen. Sie trägt ein Kleid
aus dem Jahr 1925, ein Relikt aus einer anderen
Zeit. Sie redet nicht, aber ihr Blick ist ein
Vorwurf. Er weiß, dass sie ihn kennt.
In der Bibliothek des Ministers findet er die
Liste der Verdächtigen. Darunter auch der Name
Lena Hübner. Er erinnert sich an sie aus der
Universität, als sie noch ein Idealist war.
Jetzt ist sie eine Terroristin.
Er wird gefragt, ob er die Akte zur Verfügung
stellt. Die Antwort ist nein. Er brennt sie vor
ihren Augen. Die Flamme färbt seine Hände
schwarz, wie die Asche der alten Welt.
Am nächsten Tag wird er entlassen. Sein Name
wird gelöscht, aber die Liste bleibt. Die Frau
mit den roten Haaren bleibt. Sie sagt nichts,
nur: „Du hast die falschen Seiten gewählt.“
Er geht in den Park, wo die Kinder spielen und
die Erwachsenen ihre Hoffnungen in die Luft
werfen. Ein Junge wirft einen Stein in den See.
Die Ringe breiten sich aus, bis sie die
Oberfläche erreichen.
Der Beamte sitzt auf einer Bank. Die Stadt um
ihn herum bricht zusammen, aber er bleibt. Er
hat keine Wahl mehr. Die Verbotene Liebe ist
nicht nur eine Beziehung, sondern eine
Entscheidung.
Er wird nie wieder in den Ministerialbüros
arbeiten. Stattdessen wird er ein Schriftsteller,
der die Wahrheit schreibt, auch wenn sie niemand
hören will. Die Stadt wird weiter wachsen, aber
die Risse bleiben.
Die Liste ist verschwunden, aber die Erinnerung
nicht. Die Frau mit den roten Haaren bleibt. Sie
wartet.


