Der Regen fällt seit drei Tagen ununterbrochen
über das bergige Land der Alten, wo die
Gottheiten längst verdrängt wurden, doch ihre
Spuren sind noch immer in den Steinen zu spüren.
Die Region ist ein Areal, in dem die Zeit sich
selbst aufgelöst hat — keine Jahreszeiten, keine
klare Grenze zwischen Tag und Nacht. Es ist ein
Ort, an dem die alten Rituale noch gelten,
obwohl niemand mehr weiß, warum. Wer dort
geboren wird, trägt einen Fluch in sich: alle
werden eines Tages von einem Verwandten getötet,
nicht aus Hass, sondern aus Pflicht.
Sie heißt Clara Voss, die kalte Erbin, und sie
hat es geschafft, sich von diesem Fluch zu
befreien. Mit eiserner Willenskraft und scharfer
Intuition hat sie ihr Leben im Schatten ihres
Vaters verbracht, bis er plötzlich verschwand.
Niemand weiß, wohin. Keine Spur. Kein Hinweis.
Nur ein Brief, der unter dem Teppich lag, mit
einer Adresse in der Stadt, die nie existiert
hat.
Clara folgt der Spur. Sie reist durch die
zerfurchten Berge, vorbei an Tempeln, deren
Wände mit Zeichen bedeckt sind, die niemand mehr
entziffern kann. Sie trifft auf einen Mann, der
ihr den Weg weisen will, doch seine Augen sind
leer, sein Herz kalt. Er ist der Mörder, der sie
jahrelang verfolgt hat, ohne sie je zu berühren.
Er nennt sich Elias.
In der Stadt, die nur in den Träumen der Alten
existiert, stößt sie auf eine Tür, die niemals
geschlossen ist. Dahinter liegt das
Familiengeheimnis — eine Liste von Namen, die
alle tot sind, darunter auch der ihres Vaters.
Doch die Liste ist nicht vollständig. Ihr Name
steht nicht darauf. Ein Fehler? Oder ein Plan?
Die Luft wird schwer. Die Zeit bricht zusammen.
In diesem Moment begreift Clara, dass sie nicht
fliehen kann. Nicht vor dem Fluch, nicht vor
Elias, nicht vor der Wahrheit. Sie muss sich
entscheiden: bleibt sie im Schatten, oder tritt
sie ins Licht — und damit in den Tod ihrer
eigenen Familie?
Die Antwort liegt in den Steinen, die sie unter
ihren Füßen fühlen, als sie die letzte Tür
öffnet. Der Fluch ist nicht tot. Er hat nur
gewartet.


