Der Maler Heinrich Kramer verlässt Berlin im
Winter 1923, nachdem sein letztes Werk bei einer
Ausstellung in der Galerie von Frau Liese
Wohlfahrt als „verfluchte Mystik“ abgelehnt
wurde. Seine Hände zittern noch vom letzten
Pinselstrich, doch die Prophezeiung, die er vor
Jahren in einem alten Tagebuch gelesen hatte,
kehrt unerbittlich zurück: „Wer den Schatten
sieht, wird in den Abgrund führen.“
Er reist nach Dresden, wo die Hyperinflation die
Straßen zu leeren Skeletten macht. In einem
stillen Atelier entdeckt er ein Porträt, das ihm
zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl gibt,
erkannt zu werden. Doch das Bild trägt sein
Gesicht — und es ist bereits verbrannt. Die
Prophezeiung hat sich bewahrheitet.
Kramer wird von einem Mann namens Rolf, einem
ehemaligen Kommunisten mit verborgenen
Verbindungen zur Reichswehr, angezogen. Rolf
erklärt, dass Kramer nicht nur ein Künstler sei,
sondern auch ein Opfer, dessen Schicksal in der
Prophezeiung geschrieben stand. Der Mann
verlangt, dass Kramer ihm hilft, einen
Geheimdienstoffizier zu finden, der über eine
Verschwörung gegen die Republik weiß. Kramer
weigert sich, doch Rolf enthüllt, dass Kramer
selbst ein Teil dieses Plans war — als junger
Student, der für den Geheimdienst gemalt hatte.
Die Stadt wird zur Falle. Kramer wird beobachtet,
in Cafés angesprochen, von Fremden gefolgt. Er
begreift, dass die Prophezeiung nicht nur über
ihn sprach, sondern auch über die Macht, die ihn
umgibt. Als er in der Nacht eines Sturms in eine
leerstehende Kirche flieht, findet er einen
alten Brief, der seine eigene Hand schreibt.
Darin steht: „Ich habe den Schatten gesehen. Er
ist mein Bruder. Und ich habe ihn getötet.“
Am nächsten Tag wird Kramer von der Polizei
verhaftet. Rolf verschwindet. Kramer wird in
eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er die
Wahrheit begreift: Er war nie ein Künstler,
sondern ein Spion, der sich selbst vergessen
hatte. Seine Opferbereitschaft war nicht für
Kunst, sondern für einen Staat, der ihn verriet.
Als die Klinik in Flammen aufgeht, rennt Kramer
durch die Asche. Die Prophezeiung ist wahr —
aber er hat sie nicht mehr zu fürchten. Er ist
kein Schatten mehr. Er ist ein Mann, der endlich
sieht.


