Die Stadt ist tot, doch ihre Geister leben
weiter. In einer Kuppel aus verzerrtem Glas und
zerbrochenen Spiegeln lebt Lena, eine Heilerin,
die mit Kräutern und verbotenen Salben die
Wunden der Überlebenden versorgt. Ihre Hände
sind schmutzig, ihr Herz schwer – denn sie trägt
ein Geheimnis, das sie selbst nicht heilen kann.
Als eine Welle von Halluzinationen durch die
Überlebenden zieht, beginnt sie zu verstehen:
Die Luft ist vergiftet. Ein Gift, das aus dem
zerstörten Kernkraftwerk stammt, hat sich in den
Regen geschlichen und verändert die Realität.
Wer es einatmet, sieht Dinge, die nicht da sind
– oder glaubt, sie zu erkennen.
Lena entdeckt einen Mann namens Rolf in einem
bunkerähnlichen Versteck. Er ist ein Flüchtling,
aber kein gewöhnlicher. Seine Augen brennen wie
Kohle, und er spricht von einer Flucht, die
nicht nach Westen führt, sondern in die Tiefe –
in den Untergrund, wo die Erde noch atmet. Er
will sie mitnehmen. Sie weigert sich. Doch dann
hört sie, wie ihre Schwester in der Ferne
schreit.
Die Flucht wird zur Jagd. Die Überlebenden,
getrieben vom Wahnsinn, verfolgen sie durch
verwüstete Straßen und unterirdische Gänge. Lena
muss sich entscheiden: Bleibt sie im Schutz
ihrer Medizin, oder folgt sie Rolf in die
Dunkelheit, wo die Luft reiner ist – und der
Wahnsinn vielleicht nicht?
In der letzten Nacht, als die Sonne zum ersten
Mal seit Jahren nicht mehr unterging, erreichen
sie eine Höhle. Dort, zwischen den Felsen, gibt
es ein Wasser, das klar ist. Rolf trinkt, seine
Augen verlieren den Glanz. Lena hält ihn fest,
während er stirbt – nicht vom Gift, sondern von
der Erinnerung an etwas, das er nie vergessen
hatte.
Sie bleibt allein. Mit ihm. Mit dem Wasser. Mit
dem Wissen, dass der Wahnsinn nicht in der Luft
liegt, sondern in den Menschen. Und dass die
Leidenschaft, die sie fühlte, nun nur noch in
ihren Händen zurückbleibt – und in der Stille,
die danach kommt.


