Die Luft war schwer von Ozon und Staub, als der
Veteran den Schatten des Turms folgte. Sein Name
war nie geschrieben worden, nur in Erinnerungen,
die sich wie Splitter in den Köpfen der
Überlebenden festsetzten. Er trug keine Uniform
mehr, nur das Metallarmband, das ihn als
ehemaligen Wissenschaftler markierte – ein
Symbol, das in dieser Zeit entweder Respekt oder
Hass erregte.
Die Welt hatte sich nach dem Großen Brand neu
sortiert. Die Maschinen, die einst Leben schufen,
waren nun ihre Feinde. Der Generator im Herzen
der alten Stadt war der letzte überlebende
Kernreaktor, ein Relikt aus der Zeit vor dem
Kollaps. Doch niemand wusste, ob er noch
funktionierte oder ob er nur eine Gefahr für die
wenigen Überlebenden darstellte.
Der Veteran hatte beschlossen, ihn zu zerstören.
Nicht aus Gutmütigkeit, sondern weil er wusste,
dass die Technik, die einst die Menschheit
retten sollte, nun ihr Ende herbeiführte. Er
kannte die Regeln: Niemand durfte den Generator
ohne Erlaubnis betreten. Niemand durfte ihn
sabotieren. Und niemand durfte ihn lebend
verlassen.
Er trat durch die zerstörten Tore, seine
Schritte hallten in der Leere. Das Unheimliche
lag in der Luft, wie ein stiller Schrei. Die
Wände des Gebäudes pulsierten leicht, als würden
sie atmen. Er wusste, dass es nicht der
Generator war, der lebte – sondern die Angst,
die er in sich trug.
Im Herzen des Reaktors fand er das Kontrollpanel.
Es war verrostet, aber die Anzeigen flackerten.
Er musste den Sicherheitscode eingeben. Ein
Fehler, und der Generator würde explodieren. Ein
richtiges Passwort, und er würde den Tod seiner
eigenen Handlung begreifen.
Er tippte die Zahlenfolge, die ihm ein toter
Kollege vor langer Zeit gegeben hatte. Die Tür
öffnete sich mit einem dumpfen Knall. In der
Mitte des Raumes stand die Maschine – groß,
schwarz, glatt wie ein Tier, das auf die Jagd
wartete.
Er zog die Bombe aus seiner Tasche, ein
selbstgebauter Sprengsatz, der alles zerstören
sollte. Doch als er die Zündung betätigte, sah
er etwas, das ihn innehalten ließ: ein Bild,
geframt in Metall, das an die Wand montiert war.
Auf dem Bild stand ein Name – sein eigener.
Er hatte es nie gewusst. Die Maschine war nicht
nur ein Relikt, sondern ein Versuch, ihn zu
retten. Sie hatte ihn damals gerettet, als er in
den Abgründen der Forschung verschwand. Jetzt
war sie bereit, ihn zu töten.
Er legte die Bombe zurück. Stattdessen griff er
nach dem Notfallknopf. Die Maschine stotterte,
dann erlosch das Licht. Der Generator war tot.
Aber der Veteran wusste, dass sein Opfer nicht
vergebens gewesen war – denn diesmal hatte er
nicht den Schatten der Technik getötet, sondern
sich selbst.


