Die Stadt Berlin im Jahr 1924: Die Inflation ist
ein ständiger Begleiter, und die Menschen zählen
nicht mehr mit Zahlen, sondern mit Gramm. Im
Hinterzimmer eines verstaubten Apothekers
praktiziert Else Reinhardt, eine Heilerin ohne
medizinische Ausbildung, aber mit ungewöhnlichen
Methoden. Ihre Patienten sind meist Künstler,
Dichter, oder politische Flüchtlinge — alle auf
der Suche nach einem Ausweg aus dem Chaos. Ihre
Werkstatt ist ein Ort der Unheimlichkeit, wo
Kerzen flackern, wie sie es nie sollten, und
Geräusche von außerhalb des Raums zu kommen
scheinen, obwohl niemand dort ist.
Else hat sich auf die Behandlung einer seltenen
Erkrankung spezialisiert, die als
„Schattenfieber“ bekannt ist. Die Betroffenen
berichten von Alpträumen, in denen sie von sich
selbst getrennt sind, als würden sie von einer
zweiten Person kontrolliert. Else glaubt, dass
das Fieber keine körperliche Ursache hat,
sondern psychologisch entsteht — eine Folge der
gesellschaftlichen Zerrissenheit. Sie verwendet
keine Pillen, sondern Rituale, bei denen sie den
Patienten erzählt, wie sie selbst in ihrer
Kindheit überlebt hat: durch Opferbereitschaft.
Ein neuer Patient kommt an — ein junger Maler
namens Hans, der in den Straßen der Stadt
umherirrt, weil sein Verstand nicht mehr klar
ist. Else nimmt ihn auf, und bald beginnt sie,
in ihm etwas zu erkennen, das ihr eigene
Vergangenheit erinnert. Doch gleichzeitig wird
die Krankheit schlimmer. Neue Fälle tauchen auf,
und sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Sie
waren eng mit jemandem verbunden, der in der
Vergangenheit geliebt, verloren oder verraten
wurde.
Else beschließt, einen Neuanfang zu wagen. Sie
verlässt ihre Werkstatt und geht in die
Straßengalerien, wo Künstler ihre Werke zeigen.
Dort trifft sie auf einen Mann, der ihr Name
nicht sagen will, aber sie kennt. Er war ihr
Vater, ein Arzt, der vor Jahren im Krieg starb —
oder doch nicht? Als sie ihn fragt, antwortet er
mit einem Lächeln, das sie nicht erkennt.
Die Nacht, in der sie sich trauen, verschwindet.
Die Stadt erwacht zum Morgen, und Else steht
allein in der Galerie, wo ein Bild hängt, das
sie selbst zeigt — aber mit einem anderen
Gesicht. Der SchattenfieberNeuanfang hat
begonnen.
Die Regeln, die Else kannte, sind gebrochen:
Keine Heilerin darf jemals in den Geist ihres
Patienten eindringen. Doch sie hat es getan, und
jetzt trägt sie den Schatten ihres Vaters in
sich — und die Last, die damit kommt.
Die Welt ist nicht mehr dieselbe. Nicht für sie,
nicht für Hans, und nicht für diejenigen, die
noch immer in den Schatten lauern.


