Im Schatten der Berliner Innenstadt steht ein

heruntergekommener Herrenhaus, dessen Fenster

mit Spinnweben verhangen sind. Die Villa gehört

seit Jahren der autoritären Matriarchin Else

Kramer, deren Tochter Clara im Alter von 27

Jahren zurückkehrt, um das Erbe zu übernehmen.

Die Stadt ist noch immer von Hyperinflation

geprägt, doch Else hat sich in den Jahren als

Kreditverleiherin etabliert, die ihre Nachbarn

an der Kasse hält.

Clara findet in einem verschlossenen Schrank

eine vergilbte Fotografie. Auf ihr posiert eine

junge Frau in einem Kleid aus dem Jahr 1924 –

identisch mit dem, das Clara vor drei Tagen in

einem Secondhandladen erstanden hatte. Die Frau

auf dem Bild trägt denselben Halsschmuck, den

Clara seit ihrer Kindheit trägt. Sie fragt Else

nach der Identität der Photographierten, doch

die reagiert kalt: „Das ist keine Familie, die

du kennenlernen willst.“

In der Nacht bricht ein Brand im Hof aus. Die

Feuerwehr kommt zu spät – die Bibliothek brennt

nieder, darunter auch die Unterlagen des Vaters,

der vor zehn Jahren starb. Clara entdeckt unter

den Ascheresten eine kleine Kiste mit Briefen.

Sie stammen von einer jungen Frau namens Lina,

die 1924 in der Villa lebte und vor zwanzig

Jahren spurlos verschwand. Ihre letzte Zeile

lautet: „Wenn du diesen Brief liest, bin ich tot.

Doch du bist nicht meine Erbin – du bist mein

Blut.“

Else schreibt Clara am nächsten Tag einen Brief,

in dem sie zugibt, dass Lina ihre Schwester war.

Der Streit zwischen ihren Familien begann, als

Lina den Vater verließ, um mit einem jüdischen

Journalisten zu fliehen. Else ließ sie damals

verfolgen, und Lina wurde nie wieder gesehen.

Clara beschließt, die Wahrheit zu

veröffentlichen, doch Else verhindert es durch

einen anonymen Hinweis an die Presse, der Clara

als Verräterin darstellt. Die Stadt schlägt zu –

Clara wird von der Gemeinschaft abgelehnt, ihre

Wohnung wird geräumt. Am Tag ihres Abreises

wirft sie die Fotografie in den Fluss, doch ein

Junge fängt sie auf und gibt sie an einen

Fotografen weiter, der sie in einem Lokal

veröffentlicht.

Die Nostalgie der Weimarer Jahre bleibt

unberührt, doch für Clara ist die Vergangenheit

nun unerbittlich gegenwärtig. Sie verlässt die

Stadt, ohne je wiederzukommen. Die Villa wird

verkauft, und in den Nachrichten liest man, dass

Else Kramer kurz darauf stirbt – allein, in

ihrem Büro, umgeben von alten Fotos, die niemand

mehr ansprechen will.