Ein Blitz schlägt in den Hof des alten Palais.
Die Frau, die gerade einen Brief in die
Feuerstelle wirft, bleibt stehen. Ein
Rauchschleier umhüllt sie, doch sie sieht nicht
die Flammen, sondern das Gesicht des Mannes, den
sie nie kannte.
Die Stadt hat sich in eine Maschine verwandelt.
Jeder Schritt verändert die Welt. Wer zu spät
kommt, wird ausgelöscht. Die Frau trägt ein
rotes Kleid, das nicht mehr existiert. Sie
erinnert sich an nichts. Nur an das Gefühl, dass
sie etwas vergessen hat.
Ein Mann mit einer Waffe tritt aus dem Schatten.
Er sagt nichts. Sie sieht ihn an, und plötzlich
ist sie wieder im Palais. Die Flammen sind weg.
Der Brief liegt auf dem Tisch. Sie öffnet ihn.
Es ist ein Vertrag. Sie hat ihn unterschrieben.
Ohne zu wissen, was er bedeutet.
Sie läuft. Durch die Straßen, die sich verändern,
je länger sie geht. Eine Tür schließt sich
hinter ihr. Ein anderer Raum öffnet sich. Sie
hört Stimmen, die sie nicht versteht. Ein Kind
weint. Sie weiß nicht, warum.
Ein Polizist stellt sich ihr in den Weg. Er
fragt nach ihrem Namen. Sie kann ihn nicht
nennen. Er zückt seine Waffe. Sie rennt. Ein
Schuss. Sie fällt. Doch der Boden unter ihr ist
nicht hart. Es ist wie ein Teppich aus Asche.
Sie atmet. Sie lebt.
In der Nacht trifft sie einen Mann, der sie
kennt. Er sagt: „Du bist die letzte, die noch
weiß.“ Sie fragt, was sie vergessen hat. Er
antwortet nicht. Stattdessen zeigt er ihr einen
Spiegel. In ihm sieht sie sich selbst – aber mit
Augen, die nicht ihre eigenen sind.
Sie wacht auf in einem Zimmer, das nicht
existiert. Auf dem Tisch liegt ein Foto. Es
zeigt sie mit dem Mann, den sie nie kannte. Sie
erinnert sich an nichts. Doch sie weiß, dass sie
ihn töten muss.
Ein weiterer Schuss. Sie zielt. Der Mann stürzt.
Sie fällt. Der Raum um sie herum zerbricht. Die
Welt verändert sich. Sie schreit. Doch niemand
hört sie.
Die Stadt stirbt. Sie bleibt allein. Ihr
Gedächtnis ist leer. Doch in ihrer Hand hält sie
einen Zettel. Auf ihm steht: „Du bist die Stille
zwischen den Schüssen.“


