In den Ruinen eines alten Tempels erwacht ein
Mann ohne Namen. Sein Körper trägt die Narben
von Kämpfen, doch sein Geist ist leer. Er steht
vor einem Spiegel, der nicht reflektiert,
sondern projiziert – Bilder von einer Zeit, die
er nicht kennt. In seiner Hand liegt ein Amulett,
das mit fremden Zeichen bedeckt ist. Es pulsiert,
als würde es ihn rufen.
Er folgt dem Licht, das aus dem Amulett strahlt,
und gelangt in eine Stadt, deren Architektur
zwischen Schwerkraft und Traum existiert. Die
Gebäude sind aus Glas und Stahl, aber sie
wachsen wie Pflanzen, verändern sich ständig.
Die Menschen tragen Roben aus lebendigem Gewebe,
ihre Stimmen klingen wie Musik. Doch etwas ist
falsch. Die Luft ist schwer, die Wände zittern,
als ob sie jeden Moment zusammenbrechen könnten.
Ein Mädchen namens Lina beobachtet ihn. Sie
trägt einen Mantel aus Schwärze, doch ihr
Gesicht ist sanft. Sie sagt nichts, doch ihr
Blick vermittelt: Du kennst mich. Sie führt ihn
zu einem Ort, der einst ein Zentrum der Macht
war – jetzt ein leeres Areal, wo die Zeit
stillsteht. Dort wird er gezwungen, das Amulett
anzulegen. Es öffnet seine Erinnerung. Fragmente:
ein Fest, ein Biss, ein Fluch. Er war ihr
Beschützer, doch er hat sie verlassen.
Die Macht dieser Welt basiert auf Erinnerungen.
Wer sie vergisst, verliert auch seine Form. Lina
ist die Letzte ihrer Linie, die noch weiß, wie
man die Erinnerung hält. Doch der Preis dafür
ist hoch. Jeder Tag, den er vergeudet, schwächt
ihre Kraft. Jeder Schritt, den er macht, zerrt
an der Struktur dieser Stadt.
Er muss sich entscheiden: zurückkehren zu dem,
was er war, oder bleiben und die Welt neu formen.
Doch in seinem Herzen bleibt ein Schmerz – ein
Gefühl, das ihm sagt, dass er nie wirklich
allein war.
Als die Mauern der Stadt erneut zittern, grinst
Lina. Sie weiß, dass er gewählt hat. Nicht aus
Liebe, sondern aus Verlust. Und so bricht die
Welt, doch nicht, weil sie zerstört wurde –
sondern weil sie endlich frei wurde.


