Die Rechnung für den letzten Tag des Kaisers
wird im Keller eines verfallenen Palastes
geschrieben. Ein Stift aus Messing, Tinte aus
blauem Wein. Die Schrift wird nie vollendet.
Ein Brief wird gefunden, versteckt unter einem
Steinboden. Er trägt das Wappen der Kaiserin,
aber kein Datum. Der Name darunter ist verbrannt.
Der treue Gefährte, ein ehemaliger Leibwächter,
wird von einer Gruppe junger Frauen aufgesucht.
Sie tragen Uniformen aus zerfetztem Samt, ihre
Augen brennen vor Zorn. Sie suchen nach dem Ort,
an dem die letzte Schlacht geschlagen wurde.
Er erinnert sich an den Tag, an dem die Mauer
fiel. Wie die Soldaten in den Straßen standen,
die Hände leer, die Gesichter leer. Wie die
Frauen ihn zur Seite schoben, als er den Kaiser
retten wollte.
Die Frauen zwingen ihn, sie zu führen. Sie sagen,
dass die Welt jetzt anders ist. Dass die Regeln,
die er kannte, nicht mehr gelten. Dass die
Frauen jetzt die Rechnungen schreiben.
Sie kommen zu einem Hof, dessen Türen nie wieder
geöffnet wurden. Die Tür ist mit Eisen
verriegelt, aber der Schlüssel liegt im Sand.
Als er ihn aufhebt, spürt er, wie die Luft sich
verändert. Es riecht nach Verderbtheit und Blut.
Ein Licht flackert im Dunkel. Eine Frau steht
dort, gekleidet in ein Kleid aus Zeitungen. Ihr
Gesicht ist verschleiert, aber ihre Stimme ist
klar. Sie sagt: „Du bist zu spät.“
Der treue Gefährte zögert. Er hat gesehen, wie
die Frauen die Macht übernahmen. Er hat gesehen,
wie die Männer in Städten ohne Namen
verschwanden. Aber er hat auch gesehen, wie die
Frauen ihre eigenen Regeln schrieben.
Die Rechnung wird geöffnet. Ein Blatt Papier
fällt heraus, vollgeschrieben mit Namen. Unter
allen steht sein eigener.
Er sieht, dass die Frauen nicht nur die Macht
übernommen haben. Sie haben auch die Geschichte
neu geschrieben. Die Schlacht, die er erinnert,
existiert nicht mehr. Die Kaiserin, die er
liebte, ist tot.
Er bleibt stehen. Die Frauen warten. Sie wollen
wissen, ob er sie retten oder aufgeben will.
Er nickt.
Die Tür öffnet sich. Das Licht verschwindet. Die
Rechnung wird weggenommen.
Die Welt bleibt unverändert. Außer für ihn.


