Der Kühlschrank summte leise, als sie den

letzten Schluck Kaffee trank. Die Datenbank war

leer. Keine Spur von ihm. Nur ein Code, den sie

nicht entschlüsseln konnte. Die Stadt um sie

herum pulsierte mit Neonlichtern und digitalen

Stimmen, doch sie fühlte sich allein wie noch

nie.

Ein Mann in einem schäbigen Mantel stand vor

ihrem Wohnblock. Er hatte keine Identifikation,

kein Gesicht. Nur eine Hand, die ein Glas

Flüssigkeit hob. Sie erkannte das Zeichen an

seinem Ärmel – ein Symbol aus der alten Zeit,

bevor die Netze alles verändert hatten. Er war

ein Überläufer. Ein Mensch, der noch an

vergessene Werte glaubte.

Sie folgte ihm durch die unterirdischen Gänge,

wo die Luft schwerer wurde und die Wände von

alten Schriften zitterten. Er reichte ihr das

Glas. „Es ist nicht mehr sicher, hier zu

bleiben“, sagte er. Seine Stimme war rau, aber

nicht feindlich. Sie nahm einen Schluck. Der

Geschmack war bitter, aber vertraut. Es war der

gleiche Geschmack wie im Labor, in dem sie ihre

ersten Tests durchgeführt hatte.

Am nächsten Tag fand sie die Leiche im Park. Ein

Junge, kaum älter als zwanzig. Sein Gesicht war

verschwunden, nur eine Maske aus Metall blieb

zurück. Sie wusste, was es bedeutete. Die Netze

hatten ihn getötet, weil er zu viel wusste. Weil

er sich gegen die neue Ordnung gestellt hatte.

Sie begann zu suchen. In den Datenarchiven, in

den verbotenen Zonen, in den Stimmen, die

niemand hörte. Doch jedes Mal, wenn sie einen

Hinweis fand, verschwand er. Als ob jemand sie

beobachtete. Als ob jemand ihr Spiel spielte.

Ein Abend später stand sie vor einer Tür, die

nicht existieren sollte. Sie klopfte. Eine

Stimme antwortete. „Du bist zu spät.“ Die Tür

öffnete sich. Dahinter lag ein Raum, voller

Geräte, die niemand mehr benutzte. Und in der

Mitte stand er. Der Mann aus dem Mantel.

„Du hast mich verraten“, sagte sie.

Er lächelte. „Nein. Ich habe dich gerettet.“ Er

hob eine Hand. Ein Bild erschien. Ein Bild von

ihr, jung, in einem Labor. Ein Bild, das niemand

sonst sehen sollte. „Du warst Teil des Projekts.

Du warst nicht einfach nur ein Testobjekt. Du

warst das Ziel.“

Sie starrte auf das Bild. Ihr Atem stockte. Die

Einsamkeit war nie echt gewesen. Sie war ein

Produkt. Ein Fehler.

Er griff nach ihrer Hand. „Komm mit. Es ist noch

nicht zu spät.“

Sie zögerte. Dann nickte sie. Die Stadt hinter

ihr schrumpfte, während sie in die Dunkelheit

ging. Die Netze würden sie finden. Aber sie war

nicht mehr allein. Sie war etwas anderes

geworden.

Die Einsamkeit war vorbei.