Der Krieg endete mit einer Plombe aus Eisen und
Daten. Die Regierung zerschmetterte die alten
Systeme, doch statt neu zu beginnen, baute sie
eine neue Ordnung: Zeit wurde als Ware
vermarktet. Wer genug Geld hatte, durfte in der
Vergangenheit leben. Wer nicht, musste in der
Gegenwart schmoren.
Er hieß Reinhold. Ein Mann, der einst für die
Sicherheitsbehörde gearbeitet hatte, bis er
einen Fehler beging: Er stahl einen Prototyp des
Zeitkontrollsystems. Die Akte wurde gelöscht,
aber das Gerät blieb. Es war ein Schlüssel – und
eine Waffe.
In den Untergrundhallen der Stadt, wo die
Lichter nur noch in Rhythmen flackerten, fand er
einen Handel. Menschen tauschten Erinnerungen
gegen Essen. Eine Frau bot ihm einen Blick in
die Zukunft an – für einen Tag. Er nahm an. Doch
was er sah, war kein Bild, sondern ein Gesicht:
Seines. Und es lächelte.
Er wusste, dass die Regel galt: Niemand durfte
seine eigene Zukunft sehen. Das war der Preis,
den man bezahlte, um die Zeit zu kaufen. Doch
jetzt war die Regel gebrochen. Und jemand wusste
es.
Er wurde verfolgt. Die Kontrolleure kamen in
schwarzen Anzügen, mit Schläuchen im Rücken, die
Blut aus dem Gehirn pumpen konnten. Sie suchten
nach dem Gerät. Doch Reinhold hatte es versteckt
– in einem Raum, den niemand mehr betrat. Der
alte Bahnhof, der vor Jahren abgerissen werden
sollte.
Als er hineinging, war die Luft schwer. Die
Wände waren voller Zeichnungen – von Leuten, die
ihre Zeit verkauft hatten. Manche hatten sich
selbst verloren. Andere waren tot. Er fand das
Gerät. Es pulsierte. Es atmete.
Doch dann hörte er die Stimme. Eine Stimme, die
ihn kannte. „Du hast den Preis gezahlt“, sagte
sie. „Nun bist du Teil des Spiels.“
Er drehte sich um. Vor ihm stand ein Mann, der
wie er aussah. Nur älter. Und ruhiger. „Du bist
der erste, der die Zeit zurückbringt“, sagte er.
„Aber du wirst nicht gewinnen. Die Zeit ist
schon verkauft.“
Reinhold griff nach dem Gerät. Der Mann griff
zurück. Die Zeit brach zusammen. Nicht in
Sekunden, sondern in einem Atemzug. Die Stadt
erstarrte. Die Kontrolleure hielten inne. Die
Menschen hörten auf zu atmen.
Als es wieder normal wurde, war Reinhold allein.
Das Gerät war zerbrochen. Doch in seinem Kopf
war ein Bild: ein neues Jahr, ein neuer Tag, ein
neues Leben. Ohne Zeit, ohne Kauf, ohne Verkauf.
Er ging hinaus. Die Stadt lag still. Doch in der
Ferne, hinter den Ruinen, brannte ein Licht. Es
war nicht das Licht der Alten, sondern das eines
neuen Anfangs. Eines, das niemand gekauft hatte.


