Der Rechner in der Kellerwohnung blinkt im
Dunkel. Die Mauer ist voller Risse, aber die
Schaltkreise funktionieren. Das Kind liest die
Zeichen auf dem Bildschirm:
Wiederherstellungskette aktiv. Es hat keine
Ahnung, was es bedeutet. Nur, dass es nicht
ausgeschaltet werden darf.
Die Stadt ist leer. Die Menschen sind weg. Nur
die Maschinen atmen noch. Die Regierung ist tot,
aber das System läuft weiter. Niemand weiß,
warum. Die Kinder suchen nach Essen, doch die
Supermärkte sind leer. Die Kälte kommt von innen.
Das Kind folgt einem Code, den es nicht versteht.
Es öffnet einen Speicher, der niemals zugänglich
sein sollte. Datenströme fließen durch seine
Hände. Es sieht Gesichter – alte Männer, die vor
Jahrzehnten verschwunden sind. Sie sprechen
nicht, aber ihre Stimmen sind in den Daten.
Ein Mann tritt in den Raum. Er trägt eine
Uniform, die nicht mehr existiert. Er sagt
nichts. Er schaut nur. Das Kind erkennt, dass es
beobachtet wird. Es schließt den Rechner. Der
Mann nickt. Dann geht er.
Am nächsten Tag gibt es keine Stromversorgung.
Die Maschinen sterben. Das Kind rennt durch die
Straßen. Es hört Stimmen, die nicht existieren.
Es sieht Schatten, die sich bewegen, als wären
sie lebendig. Die Luft schmeckt nach Metall.
Es findet eine Tür, die niemand geschlossen hat.
Hinter ihr liegt ein Raum, in dem die Zeit
stillsteht. Auf den Wänden sind Fotos – von
Leuten, die nie gelebt haben. Ein Bild zeigt das
Kind selbst, mit anderen Kindern, die es nicht
kennt. Es berührt das Glas. Die Bilder zittern.
Ein Gesetz verbietet, die Daten zu speichern.
Ein zweites Gesetz verbietet, sie zu löschen.
Das Kind ist der einzige, der sie sieht. Es muss
entscheiden: löschen oder bewahren. Es drückt
eine Taste. Die Maschine stürzt ab. Die Stadt
bleibt stumm.
Die Daten sind weg. Aber die Erinnerung bleibt.
Das Kind sitzt im Dunkel und wartet. Es weiß,
dass es nicht allein ist.


